Im FlowThatWorks-Podcast spreche ich mit Katrin Mauß, Lebensmitteltechnologin mit Erfahrung in Lebensmittelindustrie und Produktentwicklung, darüber, was wir brauchen, um langfristig fokussiert, gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Dabei geht es um mentale Stärke, Ablenkungen, digitale Reize, nachhaltige Gewohnheiten, bewusste Pausen und die Frage, warum kleine Schritte oft wirksamer sind als radikale Veränderungen.
1. Katrin, was bedeutet mentale Stärke für dich?
Mentale Stärke bedeutet für mich, auch in stressigen Situationen möglichst klar bei der Sache zu bleiben und mich nicht sofort aus dem Konzept bringen zu lassen.
Im Alltag passiert es schnell, dass wir den Fokus verlieren. Plötzlich ist etwas anderes interessanter oder dringender. Deshalb ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, welche kleinen Schritte dabei unterstützen können, wieder bei einer Sache anzukommen.
Mentale Stärke bedeutet nicht, dass Stress oder Ablenkung vollständig verschwinden. Es geht vielmehr darum, wahrzunehmen, was gerade passiert, und wieder handlungsfähig zu werden.
2. Warum ist Fokus heute für viele Menschen so schwierig?
Unsere Aufmerksamkeit wird ständig von neuen Reizen angesprochen: Nachrichten, E-Mails, soziale Medien und laufende Benachrichtigungen.
Früher gab es diese permanente digitale Erreichbarkeit in dieser Form nicht. Heute müssen viele Menschen aktiv Bedingungen schaffen, unter denen konzentriertes Arbeiten überhaupt möglich wird.
Flow lässt sich nicht einfach erzwingen. Wir können aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir in einen konzentrierten Zustand kommen – zum Beispiel, indem wir Ablenkungen reduzieren und uns bewusst Zeit für eine Sache nehmen.
3. Kann man Aufmerksamkeit tatsächlich trainieren?
Ja. Aufmerksamkeit ist keine unveränderliche Eigenschaft, sondern etwas, das wir üben können.
Das kann beim Mentaltraining passieren, aber auch bei vielen anderen Tätigkeiten. Ein Instrument zu spielen, zu schwimmen, zu laufen oder etwas Neues zu lernen, kann die Aufmerksamkeit über längere Zeit bei einer Sache halten.
Gerade Tätigkeiten, bei denen das Handy keine Rolle spielt, sind dafür wertvoll. Beim Schwimmen kann man beispielsweise nicht nebenbei Nachrichten lesen. Beim Erlernen eines neuen Musikstücks ist die Aufmerksamkeit ebenfalls stark gebunden.
Je öfter wir solche Phasen ohne zusätzliche Reize erleben, desto leichter kann es werden, auch im Arbeitsalltag konzentriert zu bleiben.
4. Helfen Fokuszeiten und ausgeschaltete Benachrichtigungen?
Es kann sehr hilfreich sein, das Handy für bestimmte Zeiträume stummzuschalten oder in den „Nicht stören“-Modus zu versetzen.
Viele Menschen haben das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Gleichzeitig passiert meistens nichts Dramatisches, wenn man eine Stunde lang nicht sofort reagiert.
Wichtig ist aber, dass daraus kein starres System werden muss. Regeln und technische Begrenzungen können einen Einstieg erleichtern. Langfristig geht es vor allem darum, selbst ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann man sich bewusst aus der digitalen Reizflut herausnimmt.
5. Warum sind kleine Schritte oft nachhaltiger als radikale Veränderungen?
Bei Ernährung, Bewegung und mentalem Training gilt häufig dasselbe: Zu große Veränderungen halten viele Menschen nicht dauerhaft durch.
Wer plötzlich alles umstellen möchte, setzt sich oft unnötig unter Druck. Ein kleiner Schritt ist leichter umzusetzen und kann sich mit der Zeit zu einer stabilen Gewohnheit entwickeln.
Das kann beispielsweise bedeuten:
- täglich ein Stück Obst zu essen,
- einmal pro Woche ein neues Gemüse auszuprobieren,
- zehn Minuten Bewegung einzuplanen,
- eine kurze bewusste Pause ohne Handy zu machen,
- oder eine Minute ruhig durchzuatmen.
Kleine Ziele wirken manchmal unscheinbar. Sie schaffen aber einen Einstieg und führen oft dazu, dass freiwillig mehr daraus entsteht.
6. Sind Ernährungs- oder Trainingspläne trotzdem sinnvoll?
Pläne können besonders am Anfang hilfreich sein. Sie geben Orientierung und vermitteln ein Grundverständnis dafür, was dem eigenen Körper guttut.
Langfristig sollte daraus aber keine dauerhafte Kontrolle werden. Wenn jede Mahlzeit und jede Bewegungseinheit exakt geplant werden muss, kann die Freude verloren gehen.
Mit zunehmender Erfahrung entwickelt man ein besseres Gefühl für den eigenen Körper und die eigenen Bedürfnisse. Ein Plan kann also ein guter Einstieg sein – das Ziel sollte jedoch sein, Wissen und Gewohnheiten so zu verankern, dass sie auch ohne ständige Kontrolle funktionieren.
Gesunde Ernährung ist außerdem nicht schwarz oder weiß. Es geht nicht darum, auf alles zu verzichten. Oft ist es sinnvoller, zunächst gute Dinge hinzuzufügen, statt sich ausschließlich Verbote aufzuerlegen.
7. Wie können wir Wartezeiten im Alltag bewusster nutzen?
Im Alltag entstehen viele kurze Wartezeiten: an der Gegensprechanlage, in einer Arztpraxis, an der Kassa oder an einer Haltestelle.
Diese Zeit kann für kleine Bewegungsimpulse genutzt werden – etwa für Schulterkreisen, Dehnübungen oder einige bewusste Atemzüge. Wer möchte, kann auch kurze Kräftigungsübungen einbauen.
Genauso wertvoll kann es sein, eine Wartezeit einfach einmal nicht mit neuen Informationen zu füllen. Nicht jede Pause muss produktiv sein. Manchmal ist es bereits hilfreich, kurz nichts zu tun und das Nervensystem zur Ruhe kommen zu lassen.
8. Warum ist Scrollen nicht immer eine echte Pause?
Viele Menschen greifen in kurzen Pausen automatisch zum Smartphone. Das fühlt sich zunächst wie Abschalten an, bringt aber oft wieder neue Reize und Informationen.
Beim Scrollen wechseln wir ständig zwischen verschiedenen Inhalten und Eindrücken. Dadurch bekommt das Gehirn selten eine wirkliche Phase ohne Input.
Eine erholsame Pause kann deshalb auch bedeuten, bewusst keine neuen Informationen aufzunehmen: kurz aus dem Fenster zu schauen, ruhig zu atmen, sich zu bewegen oder einfach für einige Minuten nichts zu konsumieren.
9. Wie hängen mentale Stärke, Ernährung und Bewegung zusammen?
Die drei Bereiche beeinflussen sich gegenseitig.
Eine ausgewogene Ernährung kann Energie und Wohlbefinden unterstützen. Bewegung kann dazu beitragen, sich körperlich und mental besser zu fühlen. Und mentale Klarheit kann es leichter machen, gute Entscheidungen zu treffen und an neuen Gewohnheiten dranzubleiben.
Auch der umgekehrte Zusammenhang ist wichtig: Unter starkem Stress fällt es oft schwerer, bewusst zu essen oder sich zu bewegen. Wer sich hingegen wieder regelmäßig bewegt oder seine Ernährung schrittweise verbessert, erlebt häufig mehr Energie und Motivation.
Schon eine kleine Veränderung in einem Bereich kann deshalb positive Auswirkungen auf die anderen Bereiche haben.
10. Was steckt hinter unserem Format „360° Performance“?
Mit 360° Performance verbinden wir drei Perspektiven:
- Fokus und mentale Performance
- Bewegung und Energie
- Ernährung und nachhaltige Gewohnheiten
Wir möchten zeigen, wie diese Bereiche im Beruf und im Alltag zusammenspielen. Dabei geht es nicht um ein starres Programm und auch nicht um Perfektion.
Im Mittelpunkt stehen praktische Impulse, Übungen und ein realistischer Zugang: Was passt zur eigenen Situation? Welche kleine Veränderung lässt sich tatsächlich umsetzen? Und wie kann daraus langfristig eine tragfähige Gewohnheit entstehen?
Genau diese Fragen bearbeiten wir in unseren Workshops für Unternehmen, Teams und Organisationen.
Kleine Schritte, die im Alltag funktionieren
Was ich aus dem Gespräch mit Katrin besonders mitnehme: Nachhaltige Leistungsfähigkeit entsteht selten durch eine einzelne große Veränderung.
Fokus, Bewegung und Ernährung sind Bereiche, die wir immer wieder trainieren und weiterentwickeln können. Entscheidend ist nicht, alles gleichzeitig zu verändern, sondern mit einer kleinen, konkreten Stellschraube zu beginnen.
Ein bewusster Atemzug. Zehn Minuten Bewegung. Eine Mahlzeit, die gut vorbereitet ist. Eine Fokuszeit ohne Benachrichtigungen. Eine Pause ohne neuen digitalen Input.
Solche Schritte wirken klein – können sich über die Zeit aber deutlich auf unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit auswirken.
Zum Podcast
Das vollständige Gespräch mit Katrin Mauß gibt es im FlowThatWorks-Podcast.

360° Performance live erleben
Du möchtest die Inhalte nicht nur hören, sondern selbst ausprobieren?
Am Mittwoch, 4. November 2026, von 13:00 bis 17:00 Uhr findet unser Workshop
„360° Performance – nachhaltige Leistungsfähigkeit im Beruf und Alltag“
in Wien statt.
Dich erwartet ein interaktiver Nachmittag rund um Fokus und mentale Performance, Ernährung sowie Bewegung und Regeneration – mit praktischen Übungen und Impulsen, die sich direkt in Beruf und Alltag übertragen lassen.
Ort: Vienna Institute for Leadership
Franz-Josefs-Kai 49/11, 1010 Wien
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Dieses Interview basiert auf dem Podcastgespräch mit Katrin Mauß und wurde für die Website redaktionell gekürzt und sprachlich geglättet.
